[11. Juni 2020]

„Das Coronarium“

ist ein Arbeitstitel, den wir geschaffen haben. Drei Figuren treffen da aufeinander und bilden und gestalten diesen Raum. Was das ist? Das ist ja natürlich eben die Frage. Ein Museum, ein Showraum, eine Ausstellung, Aktionsraum, ein Begegnungsraum, ein Erlebnisraum - es gibt viele Möglichkeiten. Und was man darin erlebt, dass ist wieder eine ganz andere Sache.

Das Stück ist im entstehen. Corona tauglich wird in Cloud Dokumenten geschrieben, Zoom Konferenzen abgehalten, ortsferne spielt dann ja zum Glück keine Rolle; einer sitzt ein Hamburg, eine in Hannover, der dritte in Saarbrücken. Also Republik umspannend, wenn man so will.

Weiteres folgt.

[Projektaufruf vom 29.März 2020]

Projektentwurf - und wer meldet sich?

Virtuelles Schreibkollektiv Ensemble

Eine online Theater Schreibwerkstatt

Die Idee ist eine Gruppe mit fünf Leuten aufzubauen zum gemeinsamen Entwickeln eines Theaterstückes auf virtueller Basis. Also, aus der Corona Zeit heraus über ein online Textdokument gemeinsam zu arbeiten und dabei Videogesprächstreffs, Telefonate, eventuell Chats und eine Website zur Dokumentation einzubeziehen.

Am Ende steht ein Theatertext, der in ein Folgeprojekt in der nach Corona Zeit zur gemeinsamen Inszenierung münden kann. Gegebenenfalls steht als Abschluss des Projektes auch eine Dokumentation des Textes übers Internet oder ein Druck; oder wir organisieren eine Lesung als Präsentation, wenn wir uns wieder versammeln dürfen.

Ich suche vorrangig schreibende und inszenierende Schauspieler*innen. In der Ausgangsüberlegung schreibt jede*r seine Rolle selbst, so wie er oder sie sie auch gerne darstellt. Vorstellbar sind unter-schiedliche Textformen, Monologe oder Textschnipsel, die zu Collagen zusammengebaut werden, auch Gedichte könnten entstehen oder situative Beschreibungstexte. Es können sich aber auch wirklich Szenen entwickeln mit Dialogtexten. Einer oder eine schreibt Dialoge oder Gruppenszene, in der die jeweils anderen mit drin sind. Spannend wäre auch damit herum zu probieren, Dialoge aus den eigenen Haltungen oder Figuren im Form von Chats live zu schreiben und so zu einer Szene werden zu lassen.

Wichtig scheint mir dabei, diese Arbeitsweise auch erst einmal gemeinsam technisch und vom eigenen Umgang einzustudieren und bereit zu stellen. Jede Internet gestützte Arbeitsform hat ihre Voraussetzungen und auch Einschränkungen, nicht jeder oder jede Schreibende ist in gleicher Weise gewohnt, damit umzugehen und damit auch künstlerisch zu arbeiten. Möglicherweise braucht es eine gewisse Übungs- und Eingewöhnungsphase, natürlich auch erst einmal zum technischen Einrichten der Netzwerkstruktur.

Ich will damit auf die Erfahrungen aus meinen letzten Projekten aufbauen und die schon ausprobierten Arbeitsweisen weiter vertiefen und entwickeln. Mir ist die Eigenverantwortung des Schauspielers, der Schauspielerin schon seit jeher ein zentrales Element und mit diesem Projekt wird das weiter ausgebaut auch auf die Entwicklung des Textes. Wer spielt, behält die letzte Entscheidung, was er oder sie spielt und was er oder sie sagt. Die Grenzen und Schwierigkeiten dieser grundsätzlichen Ausrichtung dürften jedem bekannt sein, aber gerade das auszuloten, ist mir wichtig im Arbeitsprozess.

Ich sehe mich darin als Projektleiter mit sozusagenem fließendem Übergang zum Künstlerischen Leiter. Spannend ist die kollektive Arbeit; allerdings, um einen Verantwortlichen kommt man schon im Organisationsablauf meistens nicht herum. Dass sich die Führungsstruktur im Kollektiv auflösen kann, ist ein wünschenswerter Prozess, der aber nicht unbedingt und einfach in jedem Projekt gelingt. Sicher hat dazu jeder und jede auch die jeweils eigenen Erfahrungen aus bisherigen Produktionen.

Das Projekt passt zu Corona und ist darauf auch ausgerichtet. Es schon gibt Signale für eine rasche und unbürokratische Förderung als Coronaprojekt, so dass als Anschub für das Projekt erst einmal 500 € für jeden Beteilitgen minimum möglich sein sollten, eventuell wird es noch mehr.


Thema? Gibt es natürlich auch. Mir fallen dazu erst einmal drei Stichworte ein, die mich in diesem Zusammenhängen als Ausgang sehr interessieren: Entschleunigung durch Corona - Geistigkeit - Nähe durch Distanz.

Ich würde mich beim Zusammenstellen unseres Gruppenkollektivensemble (konnte mich nicht entscheiden, ob Gruppe, Kollektiv oder Ensemble in diesem Zusammenhang jeweils der beste Begriff ist und bleibe einfach mal bei allen dreien, weil jeder Begriff irgendwie passt, aber unterschiedliche Nuancen benennt und unterschiedlich klingt) darauf konzentrieren, wer neben den eigenen Erfahrungsvoraussetzungen auf diese Stichworte einsteigen kann und will (wobei auch eine Abgrenzung gegen einzelne Ausgangsstichworte oder Elemente ein Einstieg sein könnten).

Also, wer bis hier her gelesen hat, sich angesprochen fühlt, sich vorstellen könnte, dabei zu sein: Ich freue mich auf Eure Gedanken und Einfälle dazu und auch, Euch in der Mail jeweils kennen zu lernen - hier über das unten stehende Formular oder, falls der Platz nicht reicht oder auch einfach angenehmer erscheint, direkt in einer Mail an mich: martin.jo.huber*web.de.

Zum unmittelbaren Ablauf: Mir ist im Moment noch nicht so ganz klar, wie schnell das läuft, diese Infos per Netz zu verteilen, ob und wenn ja wie viele sich melden und wie lange diese erste Meldephase sinnvoller Weise dauert. Ich gehe jetzt erst mal davon aus, dafür mal einen Raum von 3 Wochen mitzudenken, also bis nach Ostern; bis dahin erwarten wir ja auch neue Entscheidungen über die Corona Regeln, ob Lockerungen oder nicht. Das ist lang und viele hätten ja wahrscheinlich auch unmittelbar Zeit loszulegen, aber ganz im Sinne von: Entschleunigung durch Corona, will ich nicht ganz schnell alles in die Wege leiten und hinterhereilen, möglichst als erster an die spontan zur Verfügung erklärten Gelder zu kommen - auch der Fonds Daku hat, wie ich gestern mitbekam, mit einer Frist zum 5.4.2020 ein spontanes Corona Förderprogramm aufgesetzt, in das ich allerdings, nach den gegenwärtigen Regularien, gar nicht reinkäme. Vieles ist ja aber auch gegenwärtig sehr stark im Fluss. Ich freue ich eigentlich darauf, bin gespannt auf Mails und wie es weiter geht!

Martin Huber

am 29.März 2020

Eine Antwort zum CORONA Schreibprojekt

Und hier noch der Datenhinweis: Name, Emailadresse und Äußerungen werden vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Weiterverarbeitung im Sinne des Projektes zur projektinternen Verteilung, Antragsstellungen oder dann auch eventuell gegebenen Veröffent-lichungen werden für den Fall extra abgesprochen und es wird dazu von meiner Seite dann gegebenenfalls noch um Erlaubnis gebeten.

© 2020 Martin Huber